Heute: Teil 1 des Alltagstests für Jamie Olivers neuestes Kochbuch "30 Minuten Menüs". Oder auch: Desaster Cooking. Um das Ergebnis schon mal vorweg zu nehmen.

Am Freitag konnte ich das Buch dann auch von der Post abholen und habe am Freitagabend gleich neugierig darin geblättert. Den ersten Absätzen in der Einleitung kann ich noch zustimmen: selbst kochen ist gar nicht so schwierig und zeitaufwendig und teuer, wie viele denken. Gute Organisation in der Küche ist wichtig, man sollte alle benötigten Utensilien und Zutaten griffbereit haben. Aber dann geht es los. Zur Liste der benötigten Küchenwerkzeuge gehört die Mikrowelle. Örks. Wir haben auch eine Mikrowelle, die benutze ich so gut wie nie. Standmixer habe ich auch keinen. Meine Knoblauchpresse habe ich weggeworfen, weil ich sie furchtbar unpraktisch fand und meinen Knoblauch lieber fein schneide als zerquetsche. Mikrowellengeeignete Frischhaltefolie? Ich wusste nicht mal, dass es so was gibt.

Na gut. Weiter zu den 50 vorgestellten Menüs, die laut Jamie alle in 30 Minuten gekocht werden können. Jamie empfiehlt, sich an die Menüs zu halten und keinesfalls einzelne Gänge aus den verschiedenen Menüs zu mischen oder zu improvisieren, das würde nur zu Chaos führen. Also suche ich erst mal ewig nach einem Menü, das meinem Mann und mir voraussichtlich komplett zusagen wird. Ich entscheide mich schließlich für die Superschnelle Hackfleischpfanne mit Ofenkartoffeln, weißen Bohnen mit Speck und "einem Traum von Salat" auf Seite 210. Ich beschließe, mich für dieses erste Menü komplett nach den Anweisungen im Kochbuch zu richten und genau so vorzugehen, wie Jamie vorgibt, damit ich auch wirklich in 30 Minuten alles schaffe. Im Buch sind nämlich alle Arbeitsschritte nacheinander aufgelistet, nicht nach Menüfolge getrennt. Auch wenn mir das Vorgehen teilweise schon beim Durchlesen widerstrebt, ich werde mich genau daran halten.
Also los gehts. Ich stelle zwei Pfannen bereit, alle Zutaten, Schneidebrett, Messer, eine mikrowellengeeignete Schüssel und die ebenfalls mikrowellengeeignete Frischhaltefolie, die ich extra für 2,39 Euro gekauft habe. Es ist 18.05 Uhr, die Uhr läuft!
Als erstes geht es an die Ofenkartoffeln, diese werden gewaschen und ungeschält in einer Schüssel unter Frischhaltefolie 15 Minuten bei Volldampf in der Mikrowelle gegart. Ähem. Na gut. Den Backofengrill soll ich auch schon vorheizen. Ist erledigt. Derweil dann das Hackfleisch in einer Pfanne anbraten, würzen, kräftig bräunen. Parallel dazu brate ich in einer zweiten Pfanne Speck an. Während das Hackfleisch brät, schnipple ich Möhren, Sellerie und Zwiebel klein. Um Zeit zu sparen, häckselt JO das alles in einer Küchenmaschine, ich mache es mangels Küchenmaschine von Hand und beeile mich, denn das Hackfleisch ist ja schon in der Pfanne. Während ich noch schnipple, plingt die Mikrowelle schon, die Kartoffeln sind fertig! Ich bin aber noch nicht soweit! Egal, die Kartoffeln, die schon nach der Mikrowelle ganz schön schrumpelig aussehen, werden mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und Rosmarin gewürzt und kommen auf einem Backblech unter den Backofengrill. Es ist 18.20 Uhr. Ich mache weiter mit den weißen Bohnen, die jetzt zum Speck in die Pfanne kommen. Noch eine Tomate dazu und die weißen Bohnen mit Speck köcheln vor sich hin.
Jetzt geht es an den Beilagensalat. Salat waschen, trocken schleudern, alles klar. Dann eine Avocado halbieren, ein Teil der Fruchtfleischs kommt zu den Salatblättern, der andere Teil wird mit Zitronensaft, Öl, Salz und Pfeffer für das Dressing püriert. Es ist mittlerweile 18.35 Uhr, die Kartoffeln werden im Backofen langsam schwarz und das Hackfleisch in der Pfanne trocken, das sehe ich schon. Egal,ich muss jetzt Petersilie fein hacken und zum Hackfleisch geben! Dann erst die Kartoffeln aus dem Ofen holen. Sie sind schwarz, hart und knochentrocken. Ich ritze sie kreuzförmig ein und gebe einen Klacks Sauerrahm hinzu, richte sie auf einem Teller mit dem Hackfleisch an, rühre das Dressing unter den Salat, würze die weißen Bohnen und kann meinem Mann um 18.50 Uhr nach 45 Minuten Kochzeit das Menü servieren.

Mein Mann sieht mich entgeistert an, als ich das Essen auf den Tisch stelle, probiert aber mir zuliebe alles und würgt es runter. Die Hackfleischpfanne ist trocken, die Bohnen langweilig, die Salatsoße ist zu süß für meinen Geschmack und die Kartoffeln könnte man als Anfeuerhilfe für das Kaminfeuer verwenden. Mein Mann fällt fast vom Stuhl, als ich ihm eröffne, dass es noch drei weitere Menüs aus diesem Buch in den nächsten Wochen geben wird!
Fazit: Geschmacklich nahezu ungenießbar und ziemlich stressig in der Küche. Mir graust es vor den nächsten drei Menüs. Mein Mann fordert den Rausschmiss des Kochbuchs. Ich sage: es kann nur besser werden. (Hoffentlich!). Mal ehrlich: ich kenne genügend andere Gerichte, die ich in 30 Minuten auf den Tisch bringen kann und die wirklich gut schmecken. Dieser Megaflop war hoffentlich ein Einzelfall!
Ächz. Als Nachtisch genehmigen wir uns dann noch außerhalb der von Jamie vorgegebenen Menüfolge ein Vanilleeis mit einer großzügigen Portion Rumtopf. Danach sieht die Welt schon wieder freundlicher aus. Bis nächste Woche, wenn es wieder heißt: "Jamies 30 Minuten Menüs im Alltagstest"!