Sonntag, 24. August 2014

Nachgekocht: Linguine mit weißer Tomaten-Vanille-Sauce und frittiertem Rucola

Es gibt so Zeiten, da ist mein Koch-Mojo einfach weg. Da habe ich keine zündende Idee, was ich kochen könnte, keine rechte Lust, in Kochbüchern zu stöbern, und wenn ich doch mal ein neues Rezept ausprobiere, schmeckt es bestenfalls so lala. Tja, was tun? Was koche ich heute? Wie so oft hilft ein Blick auf meine Nachkochliste. Dort werde ich eigentlich fast immer fündig. Zum Beispiel wartete dort schon seit Jahren (!) ein Rezept von Petra von Chili und Ciabatta darauf, endlich nachgekocht zu werden. Jetzt, im August, ist wieder Tomatensaison und das habe ich genutzt, um die Linguine mit weißer Tomaten-Vanille-Sauce und frittiertem Rucola endlich nachzukochen. Die Tomaten werden dabei püriert und tropfen über Nacht durch ein Sieb ab. Der so entstehende Tomatensaft ist dann nicht rot, sondern klar. Klaren Tomatenfond und weiße Tomatenmousse habe ich schon mal gemacht und finde den intensiven Tomatengeschmack, den die Farbe gar nicht erahnen lässt, jedes Mal wieder genial. So auch hier wieder! Außerdem schmeckt die Kombination von Tomaten und Vanille ganz hervorragend und der knusprig frittierte Rucola passt super dazu. Vielen Dank, liebe Petra, für dieses wie immer gelingsichere und leckere Rezept! Und jetzt hoffe ich, dass mein Koch-Mojo wieder da ist...


Linguine mit weißer Tomaten-Vanille-Sauce und frittiertem Rucola
(für 2 Portionen)

Zutaten:
1.5 kg reife Strauchtomaten
1 TL Salz
1 TL Zucker
2 Schalotten
1 EL Butter
1/2 Vanilleschote
100ml Sahne
100ml Crème fraiche
Salz, Pfeffer
2 EL frisch geriebener Parmesan
2 EL Pinienkerne
Öl zum Frittieren
1/2 Bund Rucola
250g Linguine
Außerdem: 1 Tomate für das Topping

Zubereitung:

Wie wird Tomatensaft weiß?
Am Vortag die Tomaten waschen, halbieren, den Strunk entfernen und die Tomaten grob würfeln. Mit Salz und Zucker mischen und mit dem Stabmixer fein pürieren. Ein Sieb mit einem alten, sauberen Küchentuch auslegen, über eine Schüssel hängen und die pürierten Tomaten hineingeben. Über Nacht abtropfen lassen - es sollten ca. 500-600ml klarer Tomatensaft dabei herauskommen. Tomaten auf keinen Fall mit dem Löffel durch das Sieb drücken, sonst färbt sich der Tomatensaft rot!

Die weiße Tomatensauce zubereiten
Am nächsten Tag die Schalotten schälen und fein würfeln. Vanilleschote längs aufschlitzen, das Mark herauskratzen. Butter in einem Topf erhitzen, die Schalottenwürfel darin glasig andünsten. Vanillemark dazu geben, unterrühren. Dann alles mit 500ml Tomatensaft ablöschen. Bei großer Hitze offen auf ca. 200ml Tomatensaft einkochen lassen. Dann Sahne und Crème fraiche unterrühren und die Flüssigkeit nochmals um ca. 1/3 einreduzieren lassen. Den frisch geriebenen Parmesan unter die weiße Tomaten-Vanille-Sauce rühren, mit Salz und Pfeffer würzen.

Pinienkerne in einer beschichteten Pfanne ohne Fett rundherum goldbraun rösten. Pinienkerne herausnehmen, beiseite stellen. Tomate für das Topping waschen, halbieren, den Strunk und die Kerne entfernen. Tomatenfleisch in feine Würfel schneiden.

Rucolablätter frittieren
Rucola waschen, in mundgerechte Stücke zupfen und trocken schleudern. Rucola sehr gründlich abtrocknen. Einen weiten Topf ca. fingerdick mit neutralem Öl (z.B. Sonnenblumenöl) füllen und erhitzen. Jetzt testen, ob das Öl heiß genug ist: Wenn man einen Holzstab (z.B. Schaschlik-Spieß) mit der Spitze in das Öl eintaucht, sollten daran Bläschen hochsteigen - dann ist das Öl heiß genug. Jetzt die absolut trockenen Rucola-Blätter in das Öl geben und nach ca. 1 Minute wieder herausholen. Darauf achten, dass die Blätter nicht verbrennen - ich habe einige Blätter einen Tick zu lange drin gelassen und sie sind braun geworden. Frittierte Blätter mit einer Schöpfkelle herausnehmen, auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Die Linguine in reichlich Salzwasser nach Packungsanweisung al dente garen. Abgießen, abtropfen lassen und mit der weißen Tomatensauce vermischen. Portionsweise in tiefe Teller füllen, mit Tomatenwürfel, frittiertem Rucola und gerösteten Pinienkernen garnieren und sofort servieren.

Donnerstag, 21. August 2014

Sommer-Lesefutter - nicht nur für foodverrückte Bücherwürmer!

Ich lese gerne, und nicht nur Kochbücher. Ich lese auch gerne Romane, Kurzgeschichten, Sachbücher, Magazine und Zeitung. Nur leider komme ich im Alltag nicht so oft zum ausgiebigen, genüsslichen Lesen, wie ich das gerne hätte. Dafür lese ich im Urlaub umso mehr! Gutes Stichwort, denn: Letzte Woche habe ich mich am Laggo Maggiore in Italien entspannt. 


Leider war das Wetter besonders in der ersten Wochenhälfte nicht so gut wie erwartet. Fast jeden Morgen sind wir vom Geräusch des prasselnden Regens aufgewacht, außerdem war es recht windig und frisch. Umso mehr Zeit war für Nichtstun und ausgiebige Lektüre. Auch mal schön! So habe ich dann nicht nur alle Ausgaben des "Spiegel" der letzten Monate (!) nachgelesen, sondern auch regelmäßig die Tageszeitung. Außerdem habe ich meinen Kindle Paperwhite*, den ich zu Weihnachten geschenkt bekommen habe und von dem ich wirklich schwer begeistert bin, quasi leer gelesen. Und weil ich selbst immer wahnsinnig gerne Buchempfehlungen auf anderen Blogs lese, sollt ihr an meinem Lesepensum der letzten Wochen teilhaben - ich habe heute ein paar Buch-Tipps für euch!


Nr. 1: "Der Distelfink" von Donna Tartt

Vor über 20 Jahren habe ich „Die geheime Geschichte“, das Romandebüt von Donna Tartt, nur so verschlungen. Klar, dass ich ihren neuen Roman „Der Distelfink“ auch schnellstmöglich gelesen habe! „Der Distelfink“ erzählt das Leben von Theo Decker, der im Alter von 13 Jahren bei einem Bombenanschlag auf ein New Yorker Museum seine Mutter verliert,im Chaos nach dem Anschlag das Gemälde „Der Distelfink“ aus dem Museum mitnimmt und anschließend schwer traumatisiert versucht, weiterzuleben. Sein Vater hatte die Familie schon lange verlassen, weitere Verwandte gibt es nicht, und so wird Theo herumgereicht, landet irgendwann bei seinem nichtsnutzigen Vater in Las Vegas und freundet sich, von seinem Vater vernachlässigt, mit dem ebenso vernachlässigten Boris an. Während er aufwächst, gerät sein Leben immer weiter aus den Fugen, nur das Gemälde scheint ihm Trost zu spenden - doch gleichzeitig stellt es auch ein Risiko dar: Was, wenn die Polizei jemals herausfindet, dass er das Gemälde damals beim Anschlag im Museum entwendet hat?

Ich habe das Buch auf dem Kindle gelesen und verschlungen. In der gedruckten Ausgabe hat es über 1.000 Seiten – auf einige davon hätte man vielleicht verzichten und die Handlung etwas straffen können, aber ich bin Donna Tartt und Theo Decker auf ihren Irrwegen in die Drogenwelt und den Exkursen in die Kunstgeschichte gerne gefolgt. Ein großes Lesevergnügen!

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Nr. 2: "Who the F*** is Heidi?" von Sarah Krobath

Das Buch habe ich mir gekauft, nachdem ich auf Claudios Blog Anonyme Köche davon gelesen habe. Sarah erzählt in diesem Buch, wie sie den Traum so vieler in die Tat umsetzte, die sich Tag für Tag ins Büro schleppen und eigentlich viel lieber was anderes machen würden. Etwas, für das ihr Herz brennt. Für das sie aber ihren Job kündigen, etwas Neues wagen müssten. Sarah ist Anfang 20, Werbetexterin in einer renommierten österreichischen Agentur, arbeitet zu viel, hat keine Zeit für genussvolles Kochen und Essen, kann nachts nicht mehr schlafen - und entscheidet sich dann für einen Neustart und ein 6-monatiges Praktikum beim Schweizer Käsehersteller Jumi. Dort taucht sie ein in die Welt des Schweizer Käse. Jumi ist nicht irgendein Käsehersteller, sondern zählt zu den jungen, kreativen Käseherstellern und ist z.B. das Erfinderhaus der Belper Knolle. Sarah wird sofort voll eingespannt, fliegt zwischen dem Berner Stammhaus und London, wo sie zusammen mit anderen Praktikanten eine neue Jumi-Niederlassung aufbaut, hin und her. Der Arbeitstag hat oft 13 Stunden, sie leistet harte körperliche Arbeit, lebt in einer winzigen Praktikanten-Wohnung und schläft im Mehrbettzimmer, aber sie schläft jede Nacht tief und fest. 

Und wenn Sarah von den Jumi-Käsebüffets, dem Jumi-Marktstand am Portobello Market und Besuchen bei Londons Chefköchen, denen sie die Jumi-Produkte anpreist, berichtet, habe ich mir gewünscht, jetzt auch vor diesem Käsestand zu stehen und mich durch das Käseangebot zu probieren. Viel zu schnell ist das Praktikum, von dem dieses Buch sehr unterhaltsam und locker-flockig erzählt, zu Ende. Ich hätte gerne noch mehr erfahren über die Jumi-Gründer, die im Buch eher als Randfiguren auftauchen, und wie es Sarah nach dem Praktikum beim Studium der "Food Culture and Communications" im Piemont ergangen ist! Denn manch interessante Geschichte wird im Buch nur (zu) kurz angerissen und bleibt an der Oberfläche. Aber vielleicht erzählt Sarah ja mal auf ihrem Blog Sarah Satt  davon!

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Nr. 3: "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Sasa Stanisic

"Wie der Soldat das Grammofon repariert" erschien bereits 2006 und stand schon lange auf meiner Leseliste. Es fängt an wie eine heitere, unbeschwerte, komische Familiengeschichte im ehemaligen Jugoslawien der späten 80er Jahre und erzählt von der idyllischen kindlichen Welt aus der Sicht des kleinen Aleksandar, der zusammen mit seinem Opa Slavko in einer Welt voller Fantasie, Geschichten und Vorstellungskraft lebt. Durch den Bosnienkrieg wird die Idylle 1992 abrupt beendet. Doch Opa Slavko hat Aleksandar noch am Tag seines Todes mitgegeben, was fortan Aleksandars Leben bestimmen wird: "Die wertvollste Gabe ist die Erfindung, der größte Reichtum ist die Fantasie." Und das beherzigt Aleksandar und schildert die schrecklichen Kriegserlebnisse in seiner Heimatstadt Visegrad und die Flucht nach Essen in Deutschland erfindungsreich, tragikomisch, lakonisch und immer aus der Perspektive eines Kindes, das versucht, all das zu verarbeiten, was auf es einprasselt. In Deutschland wird Aleksandar erwachsen, der Schreibstil passt sich dem an. In Briefen an seine in Bosnien zurück gebliebene Jugendfreundin und Telefonaten mit seiner Oma in der Heimat verarbeitet Aleksandar die traumatischen Kriegs- und Fluchterlebnisse, die die Schrecken des Kriegs so nah und greifbar machen wie das für mich bisher kein Fernsehbericht oder Sachbuch geschafft hat. Keine leichte Kost, aber unbedingt lesenswert und sprachlich brillant!

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4. "Die Stadt kocht: Berlin - Der Sommer" von Cathrin Brandes und Florian Bolk
Das letzte Buch muss dann irgendwie doch wieder ein Kochbuch sein. Oder auch nicht. Denn "Die Stadt kocht: Berlin - Der Sommer" ist für mich nicht vorrangig ein Kochbuch, auch wenn es viele Rezepte enthält. Es ist für mich eher ein Buch, mit dem ich in die Berliner Food-Szene eintauchen kann, denn darin werden viele Berliner Köche, Gastronomen, Weinhändler, Eis-Dealer, Feinkosthändler und - manufakturen und sonstige Zugehörige der Berliner Food-Szene und spannende Food-Locations vorgestellt. Vielfältig, kreativ, urban, schick, abgeranzt, eigensinnig, spannend - das ist die Berliner Food-Szene und das kommt in "Die Stadt kocht: Berlin", erschienen im Le Schicken-Verlag bestens rüber. Bei vielen Kurzporträts hätte ich gerne noch mehr erfahren über die Personen, Unternehmen und Locations - da muss ich mich dann wohl mal selbst nach Berlin aufmachen und in die Food-Szene eintauchen. Oder auf Berlin Tidbits - Häppchen aus Berlin und anderswo , dem Blog der Autorin Cathrin Brandes, mitlesen!

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5. Und noch 2 dringende Blog-Lesempfehlungen!
Ganz offline bin ich auch im Urlaub nicht und möchte euch noch zwei Blogs nahelegen, bei denen ich in letzter Zeit besonders gerne lese.

Auf "Schischi und Heititei" schreibt Nicola über Kochbücher, Wochenendausflüge, Inneneinrichtung, Design, Hofläden, Authentizität beim Bloggen und vieles mehr. Und das alles so, dass ich mir wünsche, der Blogartikel würde nie enden. So gerne ich es sonst kurz und knapp mag, hier lese ich gerne längere Beiträge und gehe mit auf gedankliche Reise. Tolle Themen, gute Mischung, gut geschrieben!

Bei "Stepanini" lese ich schon lange mit. Ihre "Montagsmögen"-Rubrik weckt regelmäßig auch meine Haben-wollen-Wünsche, ihre Buchempfehlungen befolge ich nur zu gerne und ihre Texte (wie z.B. dieser hier) regen mich zum Nachdenken an und machen mich gleichzeitig froh.

Und jetzt seid ihr dran: Welche dringende Leseempfehlung habt ihr für mich? Immer her damit!

*Hinweis: Alle Links zu Amazon sind Affiliate-Links.

Freitag, 15. August 2014

Couscous-Salat mit gebratenen Zucchini & Kichererbsen

Nach all den süßen Rezepten wird es jetzt dringend mal wieder Zeit für ein herzhaftes Rezept, oder? Aber keine Angst, ich ernähre mich nicht nur von Eis, Desserts und alkoholgeschwängerten Torten. Zwischendurch gibt es auch mal frische Salate. Die dürfen bei mir gerne auch Couscous enthalten. Und Kichererbsen. Am besten gleich beides zusammen, wie bei diesem schnell zubereiteten, veganen Couscous-Salat mit gebratenen Zucchini und Kichererbsen nach einem Rezept aus einer schon etwas älteren Living at Home. Durch die Zugabe von Kurkuma und Currypulver wird der Couscous hier wunderbar gelb und schön würzig. Dazu noch frische Petersilie und Minze und das sommerliche Abendessen auf dem Balkon ist perfekt!



Couscous-Salat mit gebratenen Zucchini & Kichererbsen

(für 3-4 Portionen)

Zutaten:
1 Zucchini
4 EL Öl
2 EL Weißweinessig
Salz, Pfeffer
75ml Orangensaft
75ml Gemüsebrühe (selbstgemacht)
1/2 TL Kurkuma
1 TL mildes Currypulver
100g Instant-Couscous
1 Dose Kichererbsen (385g EW)
4 Stängel glatte Petersilie
2 Zweige Minze

Zubereitung:
Zucchini waschen, Enden abschneiden. Zucchini dritteln, dann längs in dicke Scheiben und nochmals längs in dicke Stifte schneiden. 2 EL Öl in einer Pfanne erhitzen und die Zucchinistifte darin rundherum in ca. 8 Minuten goldbraun anbraten.

Orangensaft und Brühe mit 2 EL Öl, Curry und Kurkuma in einen Topf geben, aufkochen. Dann den Couscous einrühren und den Topf vom Herd nehmen. Abgedeckt 8 Minuten quellen lassen.

Zucchinistifte mit 1 EL Weißweinessig ablöschen, mit Salz und Pfeffer würzen und abkühlen lassen.

Kichererbsen in ein Sieb abgießen, unter fließendem Wasser abspülen und abtropfen lassen. Petersilie und Minze waschen, trocken schütteln und die Blätter von den Stängeln zupfen. Petersilie und Minze grob hacken.

Kichererbsen, Zucchinistifte und Couscous in einer großen Salatschüssel miteinander vermischen. Mit 1 EL Weißweinessig, Salz und Pfeffer abschmecken. Minze und Petersilie untermischen und den Salat lauwarm oder kalt servieren.