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So lässt´s sichs aushalten: Ein Besuch bei Champagne Jacquart in Reims, Frankreich

"Wenn man die Wahl hat zwischen Austern und Champagner, so pflegt man sich in der Regel für beides zu entscheiden."  Dieses Zitat von Theodor Fontane könnte auch mein Motto sein!


Nein, das war natürlich ein kleiner Scherz. Aber ich habe es sehr genossen, als ich Mitte März auf Einladung von Champagne Jacquart gemeinsam mit einigen deutschen und englischen Journalisten und Bloggern den Jacquart-Firmensitz in Reims (Frankreich) besuchen durfte und dort nicht nur in einem Workshop "Vin Clairs", also Stillweine, verkosten, sondern auch einen Einblick in die Champagner-Herstellung gewinnen und ein 5-Gänge-Menü mit Champagnerbegleitung genießen durfte.

Ehrlich gesagt wusste ich vor diesem Besuch in der Champagne nicht viel über Champagner. Mein Wissen beschränkte sich darauf, dass Champagner mehr "Blubber" als Sekt oder Prosecco enthält, teurer ist und in großen Schlucken getrunken werden muss. Die Marke Jacquart war mir bis zum Besuch in Reims kein Begriff. Dabei handelt es sich um eines der jüngeren Champagnerhäuser, dessen Geschichte 1964 begann, als sich die ersten Winzer genossenschaftlich zusammenschlossen, um gemeinsam einen qualitativ hochwertigen Champagner zu produzieren. Mittlerweile ist Jacquart ein Aktienunternehmen, bei dem insgesamt 1.800 zugehörige Winzer die Aktien halten und den Kurs des Unternehmens bestimmen können.


Seit 2009 residiert Jacquart in einem prestigeträchtigen Bau in Reims, Tür an Tür mit geschichtsträchtigen Champagnerhäusern wie Roederer oder Krug. Floriane Eznack, die Chef-Önologin bei Jacquart, begrüßte uns bei unserem Besuch herzlich und führte uns in die Grundkenntnisse der Champagnerherstellung ein, bei der es einige Besonderheiten gibt, die Champagner zu dem machen, was er ist. Zum Beispiel dürfen in der Champagne nur unversehrte Trauben gekeltert werden - darum ist Handlese gesetzlich vorgeschrieben. In der gesamten Champagne sind daher jedes Jahr rund 100.000 Personen bei der Weinlese im Einsatz.


Zudem sind für die Herstellung von Champagner nur drei Rebsorten zugelassen: Chardonnay, der dem Champagner Frische und Eleganz gibt; Pinot Noir, der Rückgrat und Struktur verleiht und Pinot Meunier,der Geschmeidigkeit bringt und die Cuvée abrundet.

Für die Weine von Jacquart werden ausschließlich Weine aus der ersten Traubenpressung, der Cuvée, verwendet. Die Trauben werden in den ersten beiden Septemberwochen von Hand geernet und die ganzen Trauben sofort gepresst. Dann wird der Saft von der Haut und den Kernen getrennt, nach Rebsorten getrennt in Edelstahltanks abgefüllt, und die erste alkoholische Gärung erfolgt.  Nach einiger Zeit wird die im Wein enthaltene Säure biologisch abgebaut. Dann werden die Weine gefiltert, um die Trübstoffe zu entfernen. In diesem Stadium nennt man die Weine Stillweine. Und genau diese Stillweine habe ich unter Florianes Anleitung verkostet, um zu sehen, worin die Arbeit von ihr und ihrem Team besteht. Im Januar nach der Weinlese verkosten die Önologen alle Weine des Jahrgangs und stellen sie dann - bei Bedarf unter Zugabe von Reserveweinen aus vorherigen Jahrgängen - zu einer Champagnercuvée zusammen.
Das ist eine Wissenschaft für sich - und auch eine hohe Kunst. Denn die einzelnen Stillweine schmecken ehrlich gesagt hauptsächlich sauer und es erfordert viel Wissen, Geschmack, Aromenkenntnis und Vorstellungsvermögen, um die Cuvées für den Champagner zu komponieren und ihre Entwicklung vorherzuahnen.


Für die Komposition der Champagnercuvées nehmen sich die Önologen 4 bis 5 Monate Zeit. Ist die perfekte Komposition für die verschiedenen Weine gefunden, werden die Cuvées in Champagnerflaschen abgefüllt sowie Hefe hinzugefügt, die die zweite alkoholische Gärung auslösen. Die Hefe setzt während dieses 6 bis 8 Wochen dauernden Prozesses Alkohol und Kohlensäure frei und verwandelt die Stillweine in Schaumwein. Dann beginnt der Reifeprozess des Champagners, der bei Jacquart zwischen 15 Monaten und 3 Jahren (für Jahrgangschampagner) dauert. Erst dann ist der Champagner fertig gereift und kann getrunken werden. Und erst dann weiß Floriane, ob ihre Komposition wie gewünscht harmoniert und sie einen typischen Jaquart-Champagner kreieren konnte. Faszinierend!


Nach diesen interessanten Einblicken in die Champagnerherstellung, dem Verkosten der Stillweine und etwas Aromen-Gedächtnistraining freute ich mich besonders auf das 5-gängige Menü mit Champagnerbegleitung, das uns als Mittagessen serviert wurde.


Den Auftakt machte eine Auster mit Gurkengelee und Kaviar, dazu der erste Jahrgangschampagner: ein Champagne Jacquart Blanc de Blanc 2006. Köstlich!


Weiter ging es mit in Butter geschwenkten Langoustinen mit Zitrus-Koriander-Öl, begleitet von Champagne Jacquart Rosé Mosaique.


Das Hauptgericht war ein geschmorter Wolfsbarsch mit Schalentiersauce und französischem Gartengemüse, das so perfekt auf den Punkt zubereitet war, dass ich mich am liebsten reingelegt hätte. Dazu wurde Champagne Jacquart Cuvée Alpha 2005 gereicht.


Weiter ging es mit Scheiben von 6, 9 und 12 Monate altem Comté und nur mit wenig Zitronensaft und Salz angemachtem, sehr aromatischem Rucola. Dazu Cuvée Champagne Jacquart Nominée 2002.


Den krönenden Abschluss bildete ein Apfel-Birnen-Zitronen-Eclair. Was so quietsche-süß aussieht, war geschmacklich überraschend angenehm säuerlich und harmonierte perfekt mit dem leicht süßlichen Cuvée Champagne Jacquart Demi-Sec.



Doch, an solche Lunch-Menüs und die entsprechende Getränke-Begleitung könnte ich mich gewöhnen....!
Wie gut, dass ich zwei Flaschen Champagner von Jacquart mit nach Hause nehmen durfte - so habe ich mir etwas vom französischen Savoir-Vivre mitgebracht und werde den Schaumwein bei der nächsten passenden Gelegenheit in großen Schlucken genießen!



Vielen Dank an Champagne Jacquart für die Einladung nach Reims!

Kommentare

  1. Hallo Juliane,

    okay! Also wenn das mal kein fundiertes Wissen und eine wunderschöne Champagner Reise ist. Ich bin ein kleiner Champagner Spezi und habe ja immer welchen im Kühlschrank weil man ja nie weiß wer so vor der Tür steht;) Mein bester Freund ist der Ruinart Rose`wobei ich einen guten Cremant genauso schätze wie einen spanischen Cava. Ich hab mich hier sehr gern durchgelesen und schmuggel mich dann das nächste Mal in deine Handtasche. Ganz toll, schöne Bilder und köstliches Menue. Danke dafür und ein schönes Wochenende, liebe Grüße aus dem Norden, Karin

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    1. Liebe Karin, vielen lieben Dank für die Blumen! Und nächstes Mal nehme ich gerne eine grooooße Handtasche mit ;-) Und ja, Cremant, Cava, Prosecco und Rieslingsekt sind in der Tat nicht zu verachten.... aber Champagner hat mich insbesondere zu diesem Fischmenü sehr überzeugt!

      Viele Grüße und schöner Tag noch,
      Juliane

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  2. Mon Dieu! Das fällt ja unter die Kategorie "Trinken wie Gott in Frankreich" ;) Ein sehr interessanter Reisebereicht, liebe Juliane. Das nächste Mal nimmst mich aber mit, ok?
    Liebe Grüße!
    Julia

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    1. So etwas in der Art wollte ich zuerst als Titel für diesen Blogbeitrag nehmen, aber dann habe ich vermutlich meinen Ruf weg ;-)) Und das nächste Mal kommst Du mit, ganz klar!
      Liebe Grüße!

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  3. Liebe Juliane,
    Da warst Du ja im Paradies für Gourmets :-o
    Ein wunderbarer Post, da wäre ich auch gerne zu Gast gewesen.
    Wünsche Dir ein schönes Wochenende,
    Sabine

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    1. Oh ja, allerdings! Die Franzosen verstehen es einfach, das Leben, das Essen und das Trinken zu zelebrieren... wunderschön war´s!
      Viele Grüße und schöner Tag noch,
      Juliane

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  4. Ich nehme dann eine Flasche von jedem und so ein Éclair dazu... yummie!

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    1. Aber gerne doch! :)
      Viele Grüße und schöner Tag noch,
      Juliane

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  5. Hach, das sieht alles absolut himmlisch lecker und nach einem perfekten Abend aus… Die Franzosen haben's einfach drauf oder? ;)
    Liebe Grüße!
    Ylva

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