Powered by Blogger.

Nachgekocht: Pasta mit Rosenkohl, Maronen und Walnüssen

Nachgekocht: Pasta mit Rosenkohl, Maronen und Walnüssen

Rosenkohl hat auch Gefühle - wir erinnern uns! Und ich mag ihn, den Rosenkohl. Damit er das zu spüren bekommt, habe ich die diesjährige Rosenkohl-Saison Ende Oktober, noch vor der Geburt unserer Tochter, mit einem weiteren Liebling von mir kombiniert eingeläutet: Pasta! Genauer Pasta mit Rosenkohl, Maronen und Walnüssen. Das Rezept dafür habe ich mir bei Britta von Kamafoodra mitgenommen und leicht nach meinem Geschmack abgewandelt. Die cremige Sahnesauce passt ganz hervorragend zu den weichen Maronen, den crunchigen Walnusskernen und den zarten Rosenkohlblättern, denn der Rosenkohl wird für dieses Rezept in feine Blättchen gezupft. Das macht zwar etwas Arbeit, aber für 2 Portionen ist der Aufwand noch überschaubar - und vor allem: der Aufwand lohnt sich! Also, liebe Rosenkohl-Fans, nichts wie Nachkochen! Dankeschön noch mal an Britta für das Rezept.

Pasta mit Rosenkohl, Maronen und Walnüssen

Rezept: Pasta mit Rosenkohl, Maronen und Walnüssen
(für 2 Portionen)

Zutaten:
80g frische Maronen
2 Handvoll frischer Rosenkohl
1 kleine Zwiebel
2 EL Walnusskerne
1 EL Olivenöl
2 EL Butter
250g Tagliatelle
100ml Gemüsebrühe
150ml Sahne
Salz, Pfeffer
Parmesan nach Belieben

Zubereitung:
Die Maronen an der Oberseite kreuzweise einritzen und in einem Topf mit wenig Wasser in ca. 5-8 Minuten weich kochen. Maronen mit einer Schaumkelle herausnehmen, schälen. Ich nehme immer nur 3-4 Maronen auf einmal aus dem Topf und schäle sie, denn sobald sie etwas abgekühlt sind, lässt sich die braune Innenhaut nur noch schlecht ablösen. Sind die Maronen noch heiß, geht das dagegen ganz einfach!

Rosenkohl waschen, putzen und die Blätter von den Röschen abzupfen. Das ist eine fitzelige Arbeit, lohnt sich aber! Die Zwiebel schälen und fein würfeln. Walnüsse in einer beschichteten Pfanne ohne Fett rundherum goldbraun anrösten, dann grob hacken.

Butter in der Pfanne erhitzen und die Rosenkohlblätter darin rundherum braun anbraten. Rosenkohl aus der Pfanne nehmen. Olivenöl zugeben und die Zwiebelwürfel darin anschwitzen, dann die Gemüsebrühe und die Sahne zugeben. Alles einmal aufkochen, dann die Maronen zugeben, die Hitze reduzieren und alles ca. 5-8 Minuten einkochen lassen.

In der Zwischenzeit die Tagliatelle in reichlich Salzwasser nach Packungsanweisung al dente kochen.

Pastasauce mit Salz und Pfeffer kräftig würzen. Rosenkohlblätter wieder in die Pfanne geben. Tagliatelle in ein Sieb abgießen, abtropfen lassen und zur Sauce in die Pfanne geben. Alles gut miteinander vermengen, dann die Pasta portionsweise in tiefe Teller füllen. Mit den gerösteten Walnüssen bestreuen und nach Belieben frisch geriebenen Parmesan darüber geben. Sofort servieren.

Ich wünsche euch allen einen schönen 1. Advent! Macht es euch schön.

Das perfekte Waffelrezept für knusprige belgische Waffeln

Das perfekte Waffelrezept für knusprige belgische Waffeln

Wie begeistert ich von meinem tollen Waffeleisen für belgische Waffeln bin, habe ich ja schon das ein oder andere Mal erwähnt. Und jetzt habe ich auch nach einigem Ausprobieren das perfekte Grund-Rezept für knusprige belgische Waffeln gefunden. Das Rezept stammt von Hans Gerlach, der auch eines meiner Lieblings-Kochbücher ("Aromen und Gewürze") geschrieben und jetzt das Waffel-Rezept im Magazin der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht hat. Seine Geheimwaffe für außen knusprige, innen weiche Waffeln: Sprudel, also Mineralwasser mit Kohlensäure, im Teig! Das musste ich natürlich gleich mal austesten und ja: GENAU SO müssen belgische Waffeln sein. Konsistenz und Geschmack sind hier einfach perfekt. Ich bin im Waffelglück!

Perfekte knusprige belgische Waffeln

Rezept: Knusprige belgische Waffeln
(für 12 Waffeln im belgischen Waffeleisen)

Zutaten:
250g Butter (zimmerwarm)
200g Zucker
Salz
1 Bio-Zitrone
3 Eier
300g Mehl
1/2 TL Weinstein-Backpulver
175ml Sprudel (Mineralwasser mit Kohlensäure)
Zum Bestäuben: Puderzucker
Nach Belieben: Selbstgemachtes Apfelkompott o.ä. zum Servieren

Zubereitung:
Eier trennen. Zitrone heiß abwaschen, abtrocknen und 1 TL Zitronenschale fein abreiben.

Eiweiße mit dem Handrührgerät zu Eischnee schlagen.

Die zimmerwarme Butter in Stücken mit dem Zucker, einer Prise Salz, der Zitronenschale und den Eigelben in eine Schüssel geben. Mit den Quirlen des Handrührgeräts cremig schlagen.

Mehl und Backpulver miteinander vermischen, abwechselnd mit dem Sprudel unter die Buttercreme rühren. Dann den Eischnee behutsam unter den Teig heben. Waffelteig 30 Minuten ruhen lassen.

Waffeleisen vorheizen. Für eine belgische Waffel je 2 Esslöffel voll Teig in das Waffeleisen geben und die Waffeln in ca. 2-3 Minuten goldbraun backen. Fertig gebackene Waffeln herausnehmen und auf einem Kuchengitter abkühlen lassen, nicht auf einem Teller! So bleibt die Knusprigkeit erhalten.

Waffeln mit Puderzucker bestäuben und mit einem Fruchtkompott nach Wahl (bei mir: Apfelkompott) servieren.

Stillkugeln, das perfekte Mitbringsel für frischgebackene Mütter - und: Babynews!

Stillkugeln, das perfekte Mitbringsel für frischgebackene Mütter - und: Babynews!

Ihr habt es vielleicht schon gemerkt: Seit einigen Tagen ist es plötzlich ruhig auf dem Blog geworden. Das hat einen sehr schönen Grund, der meinen Mann und mich sehr, sehr glücklich macht: Letzte Woche kam unsere Tochter zur Welt! Gesund und munter und natürlich das allerschönste Baby. Seit dem Wochenende bin ich zurück aus dem Krankenhaus und wir gewöhnen uns langsam an einen ganz neuen Alltag zu dritt! Daher wird es auf dem Blog in nächster Zeit wahrscheinlich deutlich ruhiger zugehen. Ich habe noch ein paar Rezepte vorbereitet, die ich vor der Geburt gekocht hatte, und dann werden wir mal schauen, wie es mit dem Foodbloggen mit Baby so klappt...

Babyfüsschen

Und thematisch passend habe ich heute gleich noch ein Rezept für euch, das sich prima als Mitbringsel für frischgebackene Mütter eignet! Eine liebe Kollegin hat vor kurzem ihr zweites Kind geboren. Als ich sie knapp 2 Wochen nach der Geburt zum "Baby-Watching" besucht habe, habe ich ihr außer einer großen Schüssel wärmendem Gemüseeintopf mit Rindfleisch auch noch selbstgemachte Energiebällchen bzw. "Stillkugeln" mitgebracht. Die Stillkugeln sind ein prima Snack, der stillende Mütter mit reichlich Energie in Form von Nüssen, Kernen und Quinoa versorgt. Gewürzt werden die Stillkugeln mit einer Prise gemahlenem Kümmel, der den Milchfluss anregt. Außerdem schmecken die kleinen Bällchen auch noch gut und lassen sich damit auch ganz unschwanger und nicht-stillend nebenher naschen! Das Rezept habe ich aus dem schön gestalteten "Mama-Kochbuch" von Hannah Schmitz, aus dem ich auch schon die Gnocchi mit gebratenen Birnen, Salbei und Birnenkompott ausprobiert und für sehr gut befunden habe.

Stillkugeln

Rezept: Energiebällchen ("Stillkugeln")
(für 20 Kugeln)

Zutaten:
50g Dinkelmehl Type 1050
50g Dinkelgrieß
75g gemahlene Mandeln
75 Sonnenblumenkerne
25g Quinoa
3 EL Honig
gemahlener Kümmel
50g kalte Butter
Zum Wälzen:
Kokosflocken, geröstete Sesamsamen, Kakaopulver

Zubereitung:
Mehl und Grieß in einer großen, beschichteten Pfanne ohne Fett rösten, bis Mehl und Grieß leicht gebräunt sind, dabei immer wieder umrühren. Mehl und Grieß in eine große Schüssel füllen, beiseite stellen.

Sonnenblumenkerne grob hacken, dann mit den gemahlenen Mandeln und dem Quinoa in die Pfanne geben und ebenfalls ohne Fett bei mittlerer bis hoher Hitze rösten, bis sie leicht gebräunt sind. Zur Mehl-Grieß-Mischung in die Schüssel geben und mit dem Honig und einer Prise gemahlenem Kümmel vermischen. Abkühlen lassen.

Die kalte Butter in Flocken schneiden und zügig von Hand unterkneten. Aus der Masse kleine, maximal tischtennisballgroße Kugeln formen. Falls die Masse zu krümelig ist, noch etwas Butter und/ oder Honig unterrühren.

Kugeln nach Belieben entweder in Kokosflocken, den gerösteten Sesamsamen oder Kakaopulver wälzen. Mir hat die Kombination mit Kokosflocken am besten geschmeckt.

Zum Verschenken die Energiebällchen in ein Klarsichtfolien-Tütchen verpacken und nach Belieben mit einem Etikett verzieren.

Stillkugeln zum Verschenken verpackt

Kürbis-Quiche mit Parmesan-Mürbteigboden und Salbei

Kürbis-Quiche mit Parmesan-Mürbteigboden und Salbei

Frauen- und Klatschzeitschriften lese ich mittlerweile nur noch selten, aber neulich habe ich mir mal wieder eine "Grazia" gekauft. Und darin das heutige Rezept entdeckt, das ich postwendend ausprobiert und für äußerst gelungen befunden habe. Kein Wunder, denn in dieser Kürbis-Quiche mit Parmesan-Mürbteigboden und Salbei vereinen sich gleich zwei große Lieben von mir: die zu Kürbis und die zu Quiche. Dazu kommt noch wunderbar aromatischer Salbei und Parmesan, der sich auch im Teigboden ganz hervorragend macht und für einen besonderen Crunch und Würze im Teig sorgt. Allein für dieses Rezept hat sich der Zeitschriftenkauf doch schon wieder gelohnt ;-)

Kürbis-Quiche mit Parmesan-Mürbteigboden

Rezept: Kürbis-Quiche mit Parmesan-Mürbteigboden und Salbei
(für eine rechteckige Tarteform 35x11cm)

Zutaten:
Für den Parmesan-Mürbteig:
100g Mehl
65g frisch geriebener Parmesan
65g kalte Butter
1 Ei
1 EL Sauerrahm oder saure Sahne
Für den Belag:
8-10 Blätter frischer Salbei
300g Kürbis-Fruchtfleisch, vorbereitet gewogen (bei mir: Hokkaido)
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 EL Rapsöl
100ml Apfelsaft
1 Ei
75g Sauerrahm oder saure Sahne
Salz, Pfeffer
frisch geriebene Muskatnuss
1 EL Butter
Parmesan am Stück zum Garnieren

Zubereitung:
Als erstes den Teig zubereiten. Dafür das Mehl mit dem geriebenen Parmesan in einer Schüssel mischen und die kalte Butter in Stückchen dazu geben. Das Ei trennen, Eigelb zum Teig geben, Eiweiß für die Füllung beiseite stellen. Sauerrahm ebenfalls zum Mehl in die Schüssel geben und alles erst mit einem Holz-Kochlöffel, dann mit den Händen zügig zu einem glatten Teig verarbeiten. Teig zu einer Kugel formen, in Frischhaltefolie einwickeln und im Kühlschrank 30 Minuten kaltstellen.

Für die Füllung die Hälfte der Salbeiblätter fein hacken. Kürbis waschen, halbieren, mit einem Esslöffel die Kerne und das fasrige Fruchtfleisch herauskratzen. Kürbis in ca. 1 cm große Würfel schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln.

Rapsöl in einem Topf erhitzen. Knoblauch und Zwiebeln mit dem gehackten Salbei darin anschwitzen. Dann die Kürbiswürfel zugeben, ebenfalls anschwitzen. Mit Apfelsaft ablöschen und den Kürbis bei mittlerer Hitze zugedeckt in ca. 15 Minuten weich kochen. Anschließend mit dem Stabmixer fein pürieren.

In einer Schüssel das Ei, das vom Teig übrige Eiweiß und den Sauerrahm miteinander vermischen. Creme kräftig mit Salz, Pfeffer und frisch geriebener Muskatnuss würzen. Kürbispüree unterrühren.

Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Teig aus dem Kühlschrank nehmen und zwischen zwei Lagen Frischhaltefolie mit dem Nudelholz zu einem gleichmäßigen, dünnen Rechteck ausrollen. Teig in die Tarteform legen, dabei rundherum einen Rand hochziehen.

Kürbis-Sauerrahm-Füllung gleichmäßig auf dem Teig verteilen. Kürbis-Quiche im heißen Backofen auf der mittleren Schiene ca. 40-45 Minuten backen.

Kürbis-Quiche aus dem Backofen nehmen. Butter in einer kleinen Pfanne erhitzen und die restlichen Salbeiblätter darin knusprig braten. Salbeiblätter und frisch gehobelte Parmesanspäne auf der Quiche verteilen. Nochmals etwas schwarzen Pfeffer darüber mahlen, dann die Tarte (lau-)warm servieren. Dazu passt grüner Salat.

Kürbis-Quiche mit Parmesan-Mürbteigboden mit grünem Salat

"Culinary Trends" bei der AEG Taste Academy mit Christian Mittermeier

"Culinary Trends" bei der AEG Taste Academy mit Christian Mittermeier

Letzten Samstag war ich gemeinsam mit Kerstin von My Cooking Love Affair, Mara von Life ist Full of Goodies, Ex von Lauter Lieblingsstücke, Miri von Miris Jahrbuch und ihrem Uberhusband Michael von Married with Bricks kulinarischen Trends auf der Spur. AEG hatte zur AEG Taste Academy zum Thema "Culinary Trends" mit Spitzenkoch Christian Mittermeier eingeladen. Nachdem die Taste Academy zum Thema "Nose to tail" mit Lucki Maurer im Juni ein echtes Highlight war, bin ich natürlich gerne zusammen mit Kerstin ins schöne Speyer gefahren, um mich von Christian Mittermeier auf den neuesten Stand der (kulinarischen) Dinge bringen zu lassen und ein schönes Menü passend zum Workshop-Thema zu verspeisen.

" Christian Mittermeier präsentiert den Pizzaburger als Beispiel für Hybrid Food

Glücklicherweise servierte Christian uns keine Pizzaburger von Dr. Oetker, aber sie dienten zur Veranschaulichung eines der fünf von Christian identifzierten Trends, nämlich dem Thema "Hybrid Food".

Menü bei der AEG Taste Academy "Culinary Trends"

Unser Menü für den Abend las sich glücklicherweise anders, so ganz ohne Pizzaburger! Jeder Gang, abgesehen vom Fingerfood, war passend zu einem kulinarischen Trend gewählt.

Was ist überhaupt ein Trend?

Doch bevor wir uns dem Essen widmeten, definierte Christian Mittermeier erst mal, was ein Trend ist, insbesondere in der Abgrenzung zu einem Hype. Industrieforscher gehen davon aus, dass ein Trend dadurch entsteht, dass Menschen unzufrieden mit etwas sind und etwas ändern wollen. Der Trend entsteht dabei innerhalb einer sogenannten Peer Group und ebbt ab, weil er sich allgemein durchgesetzt hat. Als Beispiel für einen abgeebbten Trend nannte Christian die Regionalität von Lebensmitteln. Das war vor 10 Jahren ein Trend, jetzt ist es schon fast Standard - so bekommt man in den Supermärkten mittlerweile fast überall auch regionale Äpfel, Kartoffeln etc.
Ein Hype ebbt dagegen ab, weil erst einmal alle mitmachen und es dann schlagartig niemanden mehr interessiert. Erinnert ihr euch noch an Bubble Tea? Das war ein kulinarischer Hype.

Kulinarischer Trend Nr. 1: Glokalisierung

 Im ersten Gang widmeten wir uns dem Thema Glokalisierung. Das Wort ist ein neu zusammengesetztes Kunstwort aus "global" und "lokal" und der Trend wird nach Christians Ansicht die Regionalität ablösen. Unter Glokalisierung versteht man im kulinarischen Bereich, dass das Beste aus dem lokalen Lebensmittelangebot mit den global verfügbaren Lebensmitteln kombiniert wird. Ich esse auch liebend gerne heimische, saisonale Lebensmittel und schwelge momentan in Kürbissen und habe Walnüsse und Maronen von der Obstwiese meiner Schwiegereltern zuhause. Genauso gerne esse ich aber auch die scharfe Chorizo-Wurst aus Spanien, bestelle mir im Internet Vanilleschoten aus Madagaskar und kaufe Parmaschinken. Und genau das bedeutet Glokalisierung. In gewisser Weise ist es eine Weiterentwicklung der Regionalität - denn nicht immer ist es ökologisch besser, regionale Lebensmittel zu kaufen, zum Beispiel wenn man im Juni Äpfel vom Bodensee kauft - sind die Energiekosten für die Lagerung der Äpfel vom letzten Herbst bis zum Juni wirklich niedriger als die für die Verschiffung chilenischer Äpfel, die gerade Saison haben? Ein interessanter Denkanstoß. Das dazu passende Gericht mit Musmehl von der schwäbischen Alb, Weißlacker (Käse) und Txogitxu, einem Schinken von einer 18jährigen (!) baskischen Kuh, überzeugte auf jeden Fall geschmacklich.



Kulinarischer Trend Nr. 2: Do it yourself

"Do it yourself", kurz DIY, ist definitiv ein kulinarischer Trend, der bei mir persönlich quasi schon abgeebbt ist - einfach weil er zu meinem Alltag gehört. Ich mache alle meine Marmeladen selbst, ich mache Grillsaucen, Chutneys, Kompotte, Gemüsebrühe etc. selbst, habe einen Wurst-Kurs mitgemacht, verwende keine Fix-für-irgendwas-Tütchen und Fertiggerichte kommen bei mir nicht ins Haus. Aber auch in der breiten Masse der Bevölkerung herrscht ein gewisses Misstrauen gegenüber den Inhaltsstoffen industriell hergestellter Produkte, woraus sich ein Bestreben nach Autarkie - und eben "Selbermachen" - entwickelt hat.

Eigentlich ein alter Hut, denn meine Oma hat Marmelade und Kompotte natürlich auch selbst eingekocht und sich aus ihrem Gemüsegarten selbst verpflegt. Damals war das aber eher eine Notwendigkeit als ein Vergnügen. Neu am DIY-Trend ist auch, dass neue Methoden eingesetzt werden. Als Beispiel nannte Christian Mittermeier, dass man Marmelade heute auch mit deutlich weniger Zucker und höherem Fruchtanteil im Sous-Vide-Verfahren einkochen kann und so einen noch intensiveren Geschmack ohne Abstriche in der Haltbarkeit erreichen kann. Vielleicht brauche ich doch noch ein Sous-Vide-Becken....? Das dazugehörige Gericht zum DIY-Trend überzeugte mit Lachsforelle, selbst eingemachten Gürkchen und dem von Christian Mittermeier ebenfalls selbst hergestellten Tauberhasen-Mostrich aus Tauberhasen-Honig und Tauberhasen-Verjus.



Kulinarischer Trend Nr. 3: Fermentation

Fermentation (also "Vergären") ist der dritte kulinarische Trend, den Christian Mittermeier uns vorstellte. Als Beispiel nannte er die zunehmende Verbreitung von Kimchi, dem koreanischen Pendant zum deutschen Sauerkraut, das statt aus Weißkohl aus Chinakohl hergestellt wird. Ich war sehr neugierig auf den zugehörigen Gang, denn bis dato hatte ich Kimchi noch nie gegessen. Und tja, wie das eben manchmal so ist: es war nicht mein Fall. Das hat mich wirklich überrascht, denn Sauerkraut mag ich ziemlich gern. Aber das Kimchi war mir zu vergoren, zu scharf, zu... ich weiß auch nicht. Dazu gab es eine sous-vide gegarte Garnele, deren weiche Konsistenz ebenfalls so gar nicht mein Fall war, sowie Bamberger Hörnla gebraten und als Kartoffelfächer (lecker!), und obendrein noch fermentierte Karotten. Für mich persönlich war das der kulinarische Trend, mit dem ich am wenigsten anfangen konnte.



Kulinarischer Trend Nr. 4: Hybrid Food

Der nächste kulinarische Trend nennt sich Hybrid Food, worunter die neue Kombination von Lebensmitteln oder Zutaten zu einem neuen, eigenständigen Gericht verstanden wird. Paradebeispiel dafür ist der Cronut, die Kombination von Croissant und Donut, oder der eingangs erwähnte Pizzaburger. Die verbesserte Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Wissen über ihre Zubereitung ermöglicht mittlerweile ganz neue Kombinationen und ein wildes Ausprobieren. Als dazu passendes Gericht servierte Christian Mittermeier uns einen Ramen Burger mit 48 Stunden sous-vide gegartem und danach geräucherten Pulled Pork. Von Ramen Burgern, also Burgern, die anstelle eines Burger Buns die chinesischen Ramen-Nudeln verwenden, habe ich schon oft gehört und gelesen, es aber noch nie selbst gegessen. Und nun ja, einmal probieren reicht ehrlich gesagt auch, denn die Ramen-Nudeln sind gekocht und gebraten ziemlich hart und ich ziehe meine selbstgemachten Burger Buns als Unterlage für Pulled Pork oder sonstige Burger-Patties eindeutig vor!



Kulinarischer Trend Nr. 5: Misfits

Den 5. und letzten kulinarischen Trend, den Christian Mittermeier "Misfits" nennt, würde ich eigentlich eher als "Geschmack ist entscheidend, nicht die Form" bezeichnen. Misfits bezeichnet Obst oder Gemüse, das in seiner Form nicht perfekt ist, z.B. wenn die Sellerieknolle kleiner als aus dem Supermarkt gewohnt ist, die Karotte nicht perfekt gerade ist, sondern zwei ineinander verschlungene Teile hat oder der Apfel nicht perfekt rund gewachsen ist. Solches Obst und Gemüse wird im Supermarkt - und oft auch auf dem Wochenmarkt - gar nicht erst angeboten. Warum? Angeblich, weil der Kunde solche Misfits nicht kauft. Ob aus Bequemlichkeit, weil sich doppelte, ineinander verschlungene Karotten nicht so gut schälen lassen, oder aus sonstigen Bedenken, dass die Qualität angesichts der Optik nicht passt. Jeder, der schon mal eine knubbelige Karotte oder ein etwas aus der Form geratenes Radieschen aus dem Boden gezogen und gegessen hat, weiß: der Geschmack solcher "Misfits" ist meist deutlich intensiver als der der genormten Karotten und Radieschen aus dem Supermarkt. Also gebt den Misfits eine Chance, denn daraus lässt sich natürlich genauso gut ein Karotten-Dessert in den verschiedensten Texturen herstellen, wie Christian uns beim letzten Gang des Abends bewiesen hat!



Damit ging ein unterhaltsamer Abend voller interessanter Anregungen und Diskussionen zu Ende. Kulinarische Trends sind ja ein Thema, über das sich Food-Blogger endlos unterhalten können und über das ich oft nachdenke.

Ist vegane Ernährung ein Trend? Bzw. generell die Tendenz, sich dogmatisch bestimmten Ernährungsweisen zu unterwerfen, wie z.B. Superfoods, Clean Eating, Paleo, Low Carb etc., und alle anderen Ernährungsweisen als falsch und ungesund abzulehnen?

Ist ein Ende des Burger-Trends in Sicht? In Karlsruhe werden demnächst 2 weitere Burger-Läden eröffnen, werden diese genauso plötzlich wieder verschwinden wie die Bubble Tea-Läden oder werden sie bleiben wie all die Pizzerien? Und was ist mit Streetfood? Vor einiger Zeit fand in Karlsruhe das 1. Streetfood-Festival statt, bei dem gefühlt 80% der Stände Burger anboten und davon wiederum 50% Pulled Pork/Beef/Turkey. Läuft sich das tot? Wo gibt es denn, abgesehen von Streetfood Festivals, in der "freien Wildbahn" tatsächlich tolles Streetfood in Deutschland? Da dominiert ja wohl immer noch die Pommes&Currywurst-Bude, der Grillhähnchen-Stand oder eine Hot Dog-Station.

Was ist mit Supper-Clubs und Popup-Restaurants? Ist das ein Trend oder nur ein Hype? Und und und.

Ihr merkt schon, ich könnte endlos weiter schreiben - und natürlich interessiert mich, was ihr über kulinarische Trends denkt. Sind euch die genannten Trends auch schon untergekommen? Was seht ihr noch als kulinarischen Trend?

Vielen Dank an AEG für die Einladung zur AEG Taste Academy, es war mir wieder mal eine Freude! Und ein besonderes Dankeschön an Christian Mittermeier für all die Anregungen und den wie immer tollen Austausch.

Printfriendly